Selbstverteidigung mit dem Blindenstock und Entspannung für die Augen mit Qi Gong Yang Sheng - schlagen, würgen, schreien und trotzdem tief entspannt in Hohenstadt
„Selbstverteidigung mit dem Blindenstock und Entspannung für die Augen“ – unter diesem Moto fanden sich zwischen dem 9. und 11. September zehn Frauen und ein Mann im Sophie-Klein-Heim in Hohenstadt ein. Zusätzlich zum Interesse an diesem Kurs war auch bei so manchem Teilnehmer die Neugierde auf das alte Schullandheim groß. Bei den geräumigen Zimmern mit eigenem Bad im modern gestalteten Neubau blieb dann auch einigen vor staunen der Mund offen stehen.
Doch es wurde nicht all zu lange in alten Erinnerungen geschwelgt. Nach Hausführung und Vorstellungsrunde ging es auch schon los. Am ersten Kursnachmittag galt es zunächst einmal den Körper, speziell die Schultergelenke zu lockern. Unser Trainer, Herr Ingo Gebler, gab sich große Mühe beim Erklären der Übungen und zeigte sie bei bedarf auch jedem einzeln. Natürlich mussten wir auch unsere „Waffe“, also den Blindensto“, und dessen vielfältige Einsatzmöglichkeiten erst einmal kennen lernen. Dazu machten wir zahlreiche Übungen, einzeln und im Team. Wir übten natürlich nicht mit unseren eigenen Stöcken, sondern mit dem Blindenstock nachempfundenen Holzmodellen.
Nach drei Stunden Kursprogramm waren wir dann auch alle hungrig und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Essen ins nahegelegene Eschenbach. Wieder zurück in Hohenstadt ließen die meisten den Abend noch bei einem gemütlichen Glas Bier oder Wein ausklingen. Trotz der großen Altersunterschiede innerhalb der Gruppe hatten wir uns einiges zu erzählen und dabei jede Menge Spaß.
Am nächsten Morgen staunten wir dann nicht schlecht. Herr und Frau Gebler sowie deren Eltern, denen allen hier ein großes Lob gebührt“, warteten mit einem traumhaften Frücstücksbuffet auf. Semmeln, selbstgemachte Marmelade, Wurst, Käse, Müsli, Eier und natürlich ausreichend Kaffee --- für alles war gesorgt. Dass diese Stärkung aber auch notwendig war, merkten wir schnell, als es dann mit dem Kurs weiterging. Nun lernten wir unseren Stock auch als Schlagwaffe zu gebrauchen. Natürlich schlugen wir uns nicht gegenseitig, sondern nur unser Übungsobjekt „Mr. Wong.“ Zur Erheiterung der Gruppe versuchten es manche auch mit Kampfschreien. Zwischendurch gab es auch Entspannungsübungen wie das Klopfen verschiedener Körperregionen mit dem Qi Gong-Stab oder das in der Hand drehen von Qi Gong—Kugeln. Nach einem kleinen Mittagsimbiss lernten wir außerdem uns aus verschiedenen Würge- und Klammergriffen zu befreien. Besonders wichtig war hier sich niemals den Blindenstock abnehmen zu lassen.
Auch an diesem Abend liefen oder fuhren wir wieder nach Eschenbach und ließen den Abend wieder in einer lustigen Runde in Hohenstadt ausklingen.
Der letzte Kursteil am Sonntagmorgen war nun eher ein entspannender Teil. Unter anderem befassten wir uns mit dem vielleicht für manchen Blinden etwas befremdlich wirkenden Thema Entspannung für die Augen. Wir stellten aber rasch fest, dass massieren der Augengegend wunderbar den ganzen Kopfbereich entspannt und Kopfschmerzen lindern kann.
Wir verabschiedeten uns mit einem kleinen Geschenk von Herrn Gebler und dessen Familie und vereinbarten auch, den Kurs in naher Zukunft fortzusetzen.
Abschließend lässt sich sagen, dass bei diesem Kurs alle Teilnehmer sehr viel gelernt haben, das sie auch wunderbar im Alltag anwenden können. Außerdem kam auch der Spaß, ob beim gemütlichen abendlichen Beisammensein oder auch während des Trainings, nie zu kurz.
Melanie F.